Süsse Lämmchen und flammende Herzen.
Die «fromme Industrie» um 1900 in Einsiedeln.
Zeugnisse des Zeitgeschmacks.

Sagen wir es geradeaus: die meisten heutigen Betrachter haben für ein Andachtsbildchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts nur noch ein Wort übrig: Kitsch. Was Kitsch ist, scheint klar zu sein. Dem Begriff «Kitsch» haftet ein negativer Beigeschmack an.

Die Ausstellung «Süsse Lämmchen und flammende Herzen. Die ‘fromme Industrie’ des 19. Jahrhunderts in Einsiedeln. Zeugnisse des Zeitgeschmacks.» zeigt eine Auswahl der populärsten Bilder und Bücher aus Einsiedeln in der Zeit zwischen 1860 und 1930. Wie sahen diese Bilder aus? Worum ging es in diesen Texten? Was waren die Gründe, die gerade zu diesen ästhetischen Entscheiden geführt haben? Und: War es Kitsch, was hier in Massen hergestellt wurde?

Die Ausstellung wagt eine These zur Beantwortung der Frage, wie man das Aussehen des populären Bildes des ausgehenden 19. Jahrhunderts erklären könnte. Ein Aussehen, das viele heutige Betrachter in die Kategorie «Kitsch» bannen, das aber damalige Betrachter ganz anders beurteilten. Unsere These lautet: Das «kitschige» Andachtsbild ist das Ergebnis des Zusammenspiels von katholischer Kirchenpolitik und frühindustriell geprägter Gesellschaft. Sein bildnerischer Ausdruck ist nicht Zufall, sondern das Resultat einer Entwicklung, in der die Kirche von der einen Seite und die Gesellschaft auf der anderen auf eine für die Massen einfach und schnell konsumierbaren Kultur zusteuerten.

Die Ausstellung «süsse Lämmchen und flammende Herzen» ist von brennender Aktualität. Denn sie reflektiert das Denken und Fühlen unserer Eltern und Grosseltern in gesellschaftlichen, speziell religiösen Fragen – und lässt damit uns Heutige aufhorchen. Wie beurteilen wir heute diese Bilder, diese Texte? Spüren wir darin unsere eigene Geschichte auf? Finden wir diese Bilder merkwürdig? Schräg? Unmöglich? Geschmacklos? Beleidigend? Eine Zumutung?  – Oder schön?

«Süsse Lämmchen und flammende Herzen» handelt auch vom Umgang mit religiösen Inhalten, was in der heutigen Zeit kein einfaches Unterfangen ist. Keinesfalls möchte die Ausstellung religiöse Gefühle verletzen. Auch die einfachste Massenware vom Fliessband kann für den Gläubigen einen tiefen und echten religiösen Gehalt haben – das war vor 100 Jahren so, das ist noch heute so.

Die Ausstellung wird, so hoffe ich, bei manchem Besucher die verblüffende Feststellung auslösen, dass Kitsch auch schlicht schön sein kann. Und dass, bei näherer Betrachtung, das eine oder andere Bild das Herz tatsächlich zu rühren vermag.

Detta Kälin
Direktorin Museum Fram
Kuratorin Ausstellung

Dauer der Ausstellung: 19. Juni 2010 – 6. Januar 2011

SF-TV, Filmbeitrag

Art-TV, Filmbeitrag

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