Fram-Blog
11. September 2026
Auf einem Bildschirm im ersten Teil der Ausstellung kann man Ausschnitte aus den Tagebüchern des Benediktinerpaters Joseph Dietrich abrufen. Von 1670 bis 1704 notierte er alles, was sich im Kloster und im Dorf zutrug, zudem beschrieb er 34 Jahre lang tagtäglich das Wetter in Einsiedeln. Im Band 6 protokolliert der Mönch, wie im strengen Winter 1687 in Euthal eine Lawine niederging, der ein Stall mit Vieh zum Opfer fiel. Im gleichen Band hält er die Engelweihe vom 14. September 1687 fest, die sich ziemlich laut ankündigte: «Am Morgen ungeachtet des nassen Himmels hatt mann auf den Furen 25 grobe Schütz gethan umb 3 Viertel auf 3 Uhr, darüber das Geleüt zur Metti gefolget.»
Am Historischen Institut der Universität Bern werden die total 18 Tagebücher zurzeit von der Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte digitalisiert, einige davon, zum Beispiel der oben erwähnte Band 6, sind im Internet bereits abrufbar.
Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Engelweihe nicht mehr jährlich gefeiert, sondern nur noch, wenn der 14. September auf einen Sonntag fiel, dafür dauerte das kirchliche Fest ganze zwei Wochen lang, und es erklangen «Trompetten, Pauken, Fagotten, Pusonen und Geigen».
Als die Franzosen das Kloster überfielen
Nachdem in Einsiedeln 2025 eine Grosse Engelweihe gefeiert wurde, findet 2026 eine «normale» statt. Sofern man die Engelweihe überhaupt als normal bezeichnen kann, denn sie geht auf eine Legende zurück, wonach die Gnadenkapelle im Jahr 948 von Jesus Christus persönlich geweiht worden sei. Ganze Engelscharen hätten ihn dabei begleitet.
Engel sind auch auf einem Ölgemälde aus dem Jahr 1800 zu sehen, das in der Dauerausstellung «Ein Dorf von Welt» im Kapitel «Revolution!» hängt. Als neun Jahre nach der Französischen Revolution von 1789 Truppen aus Frankreich in die Schweiz einfielen und auf ihrem Raubzug auch das Kloster Einsiedeln plünderten, flohen die Mönche in befreundete Klöster nach Süddeutschland und Österreich.
Die Franzosen machten die Gnadenkapelle «in den Tagen vom 26. bis 31. Mai 1798 im Auftrag von General Schauenburg» dem Erdboden gleich. Sie hätten, so schreiben Werner Oechslin und Anja Buschow Oechslin in der Reihe der «Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz», die Gnadenkapelle «vollständig, jedoch mit grösster Sorgfalt abgetragen».
Gnadenkapelle kein zweites Mal geweiht
Zwei Jahre später entstand das erwähnte Bild von Johann Georg Witwer aus Imst im Tirol: «Präsentation des Plans für den Wiederaufbau der Gnadenkapelle». Erneut haben also Engel ihre Hände im Spiel, und das wortwörtlich, denn einer von ihnen entrollt einen Plan für die neue Gnadenkapelle und zeigt diesen der Schwarzen Madonna, die auf Wolken über den geflügelten Wesen schwebt. Sie ist anscheinend mit dem Vorschlag einverstanden, während ein Blitz andere Pläne aufzuspiessen scheint. Im erwähnten Kunstdenkmäler-Band ist von verschiedenen Projekten die Rede, die von einer «langsamen und mühevollen Annäherung an das Endprodukt» zeugen. Im Museum Fram ist ein Modell aus dem Jahr 1810 zu sehen, das so nicht realisiert wurde.
Nachdem das Gnadenbild im Hinblick auf die Engelweihe von 1817 wieder an ihren alten Standort zurückgebracht worden war, weihte man die Kapelle kein zweites Mal. Einerseits «aus Ehrfurcht vor dem Verbot von Papst Leo VIII., andererseits aufgrund der Wiederverwendung der alten Materialien». Diese hatten die Franzosen nämlich in einem Kellergewölbe des Klosters deponiert.
Monopole des Klosters geknackt
Der Franzoseneinfall 1798 war nicht nur für den Konvent traumatisch, sondern auch für die Bevölkerung von Einsiedeln. Mit dem Ausbleiben der Pilgerinnen und Pilger versiegte ihre wichtigste Einkommensquelle. Langfristig stärkten die Umwälzungen jedoch ihre politischen Rechte und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Verschiedene Wirtschaftszweige, auf die das Kloster früher ein Monopol beansprucht hat – etwa das Druckereigewerbe oder die Fabrikation von Wachswaren – wurden privatisiert und gingen in die Hände von Dorfbewohnern über.
Jetzt lachen sie uns wieder von allen Seiten an: die Wahlplakate. Doch wie gelingt es ihnen am besten, rasch die Aufmerksamkeit der Betrachter – auch der uninteressierten – auf sich zu ziehen? Wie hat sich das Plakat seit seinen Anfängen verändert? Und was hat das alles mit dem Benziger Verlag zu tun?
Die Geschichte des Plakats geht bis auf die Erfindung des Buch- und Bilderdrucks im 15. Jahrhundert zurück. Diese technische Revolution ermöglichte die Verbreitung von Flugblättern und Flugschriften. Das Plakat im heutigen Sinn erlebte mit der Industrialisierung und dem Tourismus ab dem späten 19. Jahrhundert seine Blütezeit – nicht zuletzt dank einer weiteren technischen Erfindung: Der Farblithografie. Diese ermöglichte es ab den 1870er-Jahren, kostengünstig auch grosse Formate und vor allem farbige Plakate zu drucken.
Auch der Benziger Verlag beherrschte diese Technik sehr bald. Die Einsiedler Firma druckte Werbeplakate mit den unterschiedlichsten Motiven: sei es für eine Tabak- & Cigarrenfabrik in Solothurn, für die Schweizerische Südostbahn, für Schützenfeste oder für das Dorf Einsiedeln als Tourismusdestination. Es dauerte nicht lange, bis sich Künstler auf dieses neue Format spezialisierten: Zwei Beispiele dafür sind der Einsiedler Meinrad Zehnder (1885-1941) und der Schwyzer Melchior Annen (1868-1954), die beide schweizweit für ihre Plakatkunst bekannt waren. Meinrad Zehnder war Zeichenlehrer an der Klosterschule und an der damals bestehenden Gewerbeschule Einsiedeln; Melchior Annen absolvierte eine Lehre als Lithograf bei Benziger und war später während zehn Jahren als Zeichner und Maler in der Grafischen Anstalt Orell Füssli in Zürich tätig. Seine frühesten Plakate entstanden um 1890. Nach dem Ersten Weltkrieg war er einer der Ersten, die auch politische Plakate entwarfen. Zehnder wie Annen arbeiteten regelmässig mit dem Benziger Verlag zusammen und entwarfen für diesen auch mehrere politische und touristische Plakate.
Ganz im Stil der damaligen Zeit integrierten Künstler wie Zehnder und Annen Ansichten und Streckenpläne in ihre Entwürfe von Tourismusplakaten. Diese mussten aus nächster Nähe, also direkt vor dem Plakat stehend, gelesen werden. Mehrere Motive wurden um ein zentrales Bild angeordnet und mit einer Landkarte oder einem Zugfahrplan ergänzt.
Jedoch zeigte sich schon bald, dass Motiv und Text den Betrachter gleichzeitig fesseln müssen, damit ein Plakat seine optimale Wirkung entfalten kann. Statt einer Ansammlung verschiedener Bilder stellte man deshalb nur noch ein einzelnes charakteristisches Sujet dar und erzielte so einen «plakativen» Effekt. Die gestalterischen Kriterien wurden dabei immer wichtiger: Das Format wurde grösser, die Schrift markanter, die Farben satter. Mit kräftiger Umrisslinie dargestellte Politiker, Schützen, Turner oder Bauern nahmen nun den grössten Teil der Bildfläche in Anspruch.
Die damaligen Sujets und die mittels Plakate ausgefochtenen politischen Auseinandersetzungen sind uns längst nicht mehr immer vertraut. Doch die Plakate und ihre Sujets funktionieren in ihrer Bildsprache und ihrer prägnanten Dramatik noch immer. Von welchen Wahlplakaten, die momentan aushängen, wird man das in ein paar Jahrzehnten wohl noch sagen können?
Das Museum Fram arbeitet zurzeit an der Digitalisierung und Inventarisierung seiner Plakatsammlung – und bringt so kostbare Bilderschätze wieder ans Licht.
Am Samstag, dem 14. September, wurde in Einsiedeln das Fest der Engelweihe gefeiert. Wie dies in früheren Jahrhunderten ablief, wird bei uns in der Ausstellung «Ein himmlisch’ Werk» gezeigt.
Wenn der 14. September auf einen Sonntag fiel, feierte man das Fest zwei volle Wochen lang und sprach von der Grossen Engelweihe. Der 21. September 1687 war zum Beispiel der zweite Sonntag der Grossen Engelweihe, die P. Joseph Dietrich in seinem Tagebuch dokumentiert hat. Da kann man nachlesen, dass es sich dabei eher um ein lautes Fest handelte:
«…am Morgen gleich umb ein Viertel nach 2 Uhr der Anfang gemacht mit Trompetten, Pauken, Fagotten, Pusonen, Geigen etc. Welche unssere Herren mit sich in den ausseren Glokenthurm getraggen, unnd dorten sehr lieblich mit ein anderen aufgespihlt bis schier umb 3 Viertel auf 3 Uhr, da das grobe Geschütz die Music abgelösst, unnd mit 20 Schützen bis schier umb 3 Uhr continuieret, darüber ohne Interstitio das Gleüt in allen Thürmen zusamen gezogen worden»
Wie laut oder diskret die Engelweihe knapp 250 Jahre später gefeiert wurde, lässt sich nicht nachweisen. Aber wie Musikbibliothekar P. Lukas Helg recherchiert hat, wurden am 14. September 1819 in zwei Vespern und zwei Messen neben zahlreichen Psalmen auch Werke von P. Markus Landtwing und Abt Marian Müller aus dem Kloster Einsiedeln oder das «Gloria» von Johann Christian Bach aufgeführt sowie – man stelle sich vor! – die Ouvertüren zu den Opern «Le nozze di Figaro» von Wolfgang Amadeus Mozart und «Der Kalif von Bagdad» von François-Adrien Boieldieu.
Wer sich die Musik erkiest,
hat ein himmlisch Werk gewonnen;
denn ihr erster Ursprung ist
von dem Himmel selbst genommen,
weil die lieben Engelein
selber Musikanten sein.
Von Martin Luther (1483-1546) sei es nicht, der Reformator werde fälschlicherweise als Autor dieses Gedichts genannt, meint der Theologe Christofer Frey (*1938) auf einer Website über falsch zugeschriebene Zitate. In der Weimarer Werkausgabe von Luthers Schriften komme das Wort «erkiesen» nur fünfmal vor und jedes Mal im Zusammenhang mit der Wahl eines Richters oder eines Partners. Nirgends sei aber davon die Rede, dass sich jemand «die Musik erkiest» habe. Also stammt das Gedicht, nach dessen zweiter Zeile die kommende Ausstellung im Museum Fram benannt ist, nicht von Luther. Aber vielleicht von Eduard Mörike (1804-1875), wie auf einer andern Website zu lesen ist? Nein, der schwäbische Pfarrer und Dichter («Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…») hat es auch nicht geschrieben, nur abgeschrieben, und zwar vom «Kasten der Orgel in Güglingen». Dass der wahre Autor Erdmann Neumeister (1671-1756) war, dürfte Mörike wohl nicht gewusst haben. Neumeister war Theologe und schuf zum Beispiel Texte zu Kantaten, die auch von Johann Sebastian Bach vertont wurden. Seine Version des Gedichts lautete leicht anders. Dem Versmass zuliebe empfiehlt es sich, das Wort «Musik» auf der ersten Silbe zu betonen.
Wer die Musik sich erkiest
Hat ein himmlisch Gut bekommen,
Denn ihr erster Ursprung ist
Von dem Himmel selbst genommen
Wenn einst in der letzten Zeit
Alle Ding wie Rauch vergehen
Bleibet in der Ewigkeit
Doch die Musik noch bestehen,
Weil die Engel insgemein
Selbsten Musikanten seyn.
Ob «himmlisch Gut» oder «himmlisch Werk» – die Schaffung der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln war ein gutes Werk. Mitbegründet hat es in der Mitte des 19. Jahrhunderts P. Gall Morel. Ihm wird eine ganze Abteilung der Ausstellung gewidmet sein. Das «gute Werk» in jüngerer Zeit fortgesetzt hat P. Lukas Helg, Co-Kurator der Ausstellung. Er betreut die Musikbibliothek seit über 40 Jahren.
Kurz, weniger förmlich, günstiger und schneller als der Brief. Das war von Anfang an das Erfolgsrezept der Postkarte. Sie wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. 1869 wurde sie als «Correspondenzkarte» offiziell in Österreich eingeführt. Der Erfolg des neuen Mediums war riesig. Bald entdeckte auch Einsiedeln ihr Potenzial.
Postkarten waren billiger als ein Brief oder ein Telegramm, und da die Post mehrmals täglich zugestellt wurde, war es sogar möglich, per Postkarte einen Termin am gleichen Tag zu vereinbaren oder kurze Geschäftsmitteilungen zu verschicken – ähnlich den heutigen SMS, E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten. Dank der Erfindung von modernen und preisgünstigen Mehrfarben-Drucktechniken gab es ab 1890 Ansichtskarten, die mit Illustrationen und Fotomotiven verziert waren. Mittels der Chromolithografie konnte man nun auch farbige Postkarten herstellen. Der Lichtdruck ermöglichte die Herstellung von Schwarz-Weiss-Fotopostkarten, die mit verschiedenen komplizierten Verfahren koloriert wurden.
Auch in Einsiedeln nutzte man mit dem Aufkommen des Tourismus das neue Kommunikationsformat und druckte massenweise Ansichtskarten. Kloster- und Dorfansichten, Strassen und Plätze, Landschaften mit und ohne Kapellen sowie religiöse Feste waren prädestinierte Sujets. Hotels, Geschäfte und Gasthöfe setzten nun eigene Postkarten als Werbeträger ein. Stolz präsentierte man das neue, antikisierend gestaltete Rathaus und das neue Bahnhofgebäude. Nicht nur einheimische Verlage wie Benziger, sondern auch solche aus Zürich oder Luzern produzierten Ansichtskarten mit Einsiedler Motiven. Eine Mode der Zeit waren sogenannte «Mondscheinkarten», die man auf dunklem Karton druckte.
Um spezifische Zielgruppen anzusprechen, setzte man gezielt künstlerische Mittel ein. Zum Beispiel wurden mehrere Bildebenen kompiliert und mit Staffagefiguren im Vordergrund ergänzt. Mit Bildern von Kindern richtete man sich direkt an Familien. Seminaristen standen für das idyllische Studentenleben. Schneelandschaften und Skifahrer wandten sich an Wintersportler.
Die Jahrzehnte um 1900 waren die Blütezeit der Ansichtskarte. In der Schweiz und überall in Europa wurde sie millionenfach verschickt. Jeder konnte seine Erlebnisse nun schnell Freunden und der Familie mitteilen oder eine Postkarte als Andenken an den Ausflug in die Berge, in die Stadt oder an den Wallfahrtsort mit nach Hause nehmen. Sehr populär war es, Postkartenmotive in Alben einzuordnen und sie untereinander zu tauschen. Dies in einer Zeit, in der die private Fotografie noch nicht verbreitet war. Es waren die Ansichtskarten, welche die allgemeine Bildvorstellung einer Stadt oder eines Dorfes prägten.
«Wohl der denkwürdigste Streik, der seit Bestehen der schweiz. Arbeiterorganisation geführt wurde», meinte die Helvetische Typographia zum Streik beim Benziger Verlag, der zwischen dem 27. Januar und 27. April 1900 in Einsiedeln stattfand. Ausgelöst wurden die Unruhen aber bereits im September des Vorjahres, als Charles Benziger-Gottfried, der technische Direktor, eine Lohnreduktion von 20-25% ankündigte. Die auf den Platz gerufene Gewerkschaft, die Helvetische Typographia, engagierte sich für die Angestellten, organisierte und unterstützte diese. Bis dahin hatte die Verlegerfamilie Benziger jeglichen Arbeiterbewegungen und -organisationen den Garaus gemacht. Man war aber nicht nur gewillt, solche zu unterbinden, sondern weigerte sich überhaupt, mit ihnen direkt zu verhandeln.
Denkwürdig waren Lohnreduktionsaffäre und Streik in Einsiedeln bei der Firma Benziger aufgrund der besonderen Affiche: Gewerkschaft und Arbeiterbewegung in katholischen Stammlanden, in einem Wallfahrtsort und noch bei den «Typographen des hl. Stuhls», so der vom Papst verliehene Ehrentitel der Firma.
Klar zu Tage trat in der Auseinandersetzung, dass die um 1900 kontrovers diskutierte Frage, ob es eine «Neutralität der Gewerkschaften» gebe oder nicht, zu verneinen war. Einem katholischen Männer- und Arbeiterverein – das zeigte sich in Einsiedeln – fehlten aus christlicher Überzeugung nicht bloss die Kampfmittel, sondern auch die Kampfbereitschaft; und ein Arbeitskampf, wenn er sich denn als unumgänglich und notwendig erwies, war aus damaliger Sicht per se «socialdemokratisch» und verpönt.
Fast logische Folge dieses «Musterstreiks» war der für die seinerzeitigen Verhältnisse unglaubliche Medien- und Propagandakrieg, der hauptsächlich zwischen der «sozialdemokratischen Presse» und dem Einsiedler Anzeiger sowie der Firma Benziger stattfand und schweizweit mit Vehemenz ausgetragen wurde. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung erschien in der Satirezeitschrift «Der Neue Postillon» eine Darstellung, die den Konflikt als «moderne Gesslergeschichte» zeigte.
Der Streik bei der Firma Benziger umfasste nur einen Teil der Belegschaft. Es war keine totale Solidarität aller Arbeiter der Firma Benziger vorhanden. Von insgesamt etwa 500 Arbeitern streikte lediglich ein Drittel.
Vermittlungsbemühungen des Schwyzer Regierungsrates, des Einsiedler Abtes oder auch des Bischofs von Chur führten zu keinem Erfolg. Eher ernüchternd war, dass die Einigung letztlich auch ohne Beteiligung der Gewerkschaften zustande kam, nämlich – mit Hilfestellung des Bezirksrates von Einsiedeln – durch eine Zwölfer-Delegation der Belegschaft. Dennoch ist die Rolle der Gewerkschaften im Ganzen als zentral und wichtig einzustufen, weil sie den Streik durch die finanzielle und ideelle Unterstützung überhaupt erst ermöglicht hatten. Sachlich betrachtet gingen die Arbeiter gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor und hatten sich die Arbeitsbedingungen für die meisten von ihnen – mit Ausnahme wohl am ehesten der Hilfsarbeiter – merklich verbessert.
Die Helvetische Typographia meinte abschliessend: «Eines ist sicher, dass in der finstern Waldstatt ein Samenkorn ausgestreut wurde, das nie mehr ganz zu ersticken sein wird.»
Literatur:
Daniel Meienberg, Der Streik bei der Verlagsanstalt Benziger in Einsiedeln im Jahr 1900, Lizentiatsarbeit Zürich 2009.
Heinz Nauer, Fromme Industrie, Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750-1970, Baden 2017.
Patrick Schönbächler, Der Buchdrucker-Streik bei Benziger, oder die Geschichte einer Arbeiterbewegung bei den «Typographen des hl. Stuhls» im katholischen Wallfahrtsort Einsiedeln, in: Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 110 (2018), S. 231ff.
Patrick Schönbächler, 50, ist Alumnus der Stiftsschule Einsiedeln, promovierter Jurist, und ein Kenner der Einsiedler Lokalgeschichte. Sein Privatarchiv umfasst über 30‘000 Ansichten, Drucke, Fotografien aus Einsiedeln für die Zeit von 1500 bis heute. Weitere Informationen finden Sie hier: www.hejbsch.ch


































































