Fram-Blog
8. Januar 2026
Am 19. Dezember begann die Ausstellung «Aus der Not geboren. Arbeitende Kinder» im Landesmuseum in Zürich, die noch bis zum 20. April dauert. Auch aus dem Museum Fram sind fünf Leihgaben zu sehen. Sie geben Einblick in die Geschichte der Kinderarbeit, unter anderem beim Benziger Verlag aus Einsiedeln. Handkolorierte Heiligen- und Andachtsbilder sind ein Beispiel dafür, wie im 19. Jahrhundert Kinder an der Herstellung religiöser Massenprodukte beteiligt waren.
Eine Fotografie von drei Knaben auf dem Fabrikgelände deutet auf den Einsatz junger Arbeitskräfte hin, deren Alter und Arbeitsbedingungen kaum dokumentiert wurden. Ein Brief aus der Korrespondenz des Unternehmens aus dem Jahr 1875 macht deutlich, dass das geplante Fabrikgesetz den Einsatz von 12- bis 14-Jährigen beenden sollte – was aus Sicht der Firmenleitung die Arbeitskosten erhöhen würde.
Ausstellung «Aus der Not geboren – Arbeitende Kinder», Landesmuseum, Zürich,
Heute, da der Handel mit Wertschriften wie Aktien und Obligationen rein digital über Banken abgewickelt wird, gelten die gedruckten Wertpapiere vergangener Jahrhunderte im Börsenhandel als wertlos, als «Nonvaleurs». Noch bis Ende des 20. Jahrhunderts wurden sie in Papierform ausgestellt und von Hand zu Hand weitergegeben. Die Auszahlung der Dividende erfolgte durch Ausschneiden der Coupons aus dem Papierbogen. Heute sind historische Wertpapiere vor allem wegen ihrer künstlerischen Gestaltung begehrte Sammlerstücke und Schmuckobjekte. Einige der ästhetisch anspruchsvollsten Aktienzertifikate entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Dass der Benziger Verlag auch historische Wertpapiere gedruckt hat, ist vielleicht weniger bekannt. Leider befinden sich keine gedruckten Exemplare im Archiv des Museums Fram. Erhalten sind jedoch einige Entwurfszeichnungen, die zur Herstellung von Wertpapieren dienten und als Druckvorlagen an Lithografen weitergegeben wurden. Die bis ins kleinste Detail gestalteten Blätter waren nicht nur reine Finanzdokumente, sondern auch kunstvolle Werbeträger, die nicht zuletzt das Vertrauen in die Handelsgesellschaften stärken sollten.
Weitere historische Wertpapiere, die künstlerisch gestaltet wurden, sind derzeit in der kürzlich eröffneten Sonderausstellung «kunst.macht.geld» im Schweizer Finanzmuseum in Zürich zu sehen.

Dem Meister ein Spiel war die Überschrift einer Ausstellung, die Detta Kälin während der Spielzeit 2013 im Museum Fram zeigte. Unter dem gleichen Titel veröffentlichte sie einen umfangreichen Katalog über «Calderón, die Einsiedler und ihr Welttheater».
Detta Kälin geht ausführlich auf die Geschichte des spanischen auto sacramental ein und stellt die verschiedenen Rollen vor, die sich Pedro Calderón de la Barca (1600-1681) für sein Fronleichnamsspiel ausgedacht hatte. Der Katalog enthält weiter Beiträge von Fiona Gruber über die Regiekonzepte von 1924 bis 2007, von Christoph Lienert über die Werbemittel im Lauf der Jahrzehnte und von Karl Saurer über die Protestaktion am Tag der Premiere 1970. Der Ausstellungskatalog ist im Spielbüro des Welttheaters und im Museum Fram erhältlich.

Urs Wisel Ochsner, ein Theaterwissenschaftler mit Einsiedler Wurzeln, veröffentlichte nach der zweiten Neufassung «von Thomas Hürlimann nach Calderón» das Buch Zäsur in einer Tradition, eine Dokumentation zum Einsiedler Welttheater 2007.
Ochsner vertritt darin die These, dass die eigentliche Neuausrichtung der hiesigen Welttheater-Tradition nicht mit der ersten Neufassung von Hürlimann gleichzusetzen sei, sondern mit der zweiten. Das Buch, das im Buchhandel erhältlich ist, umfasst neben dem wissenschaftlichen Teil auch zahlreiche Interviews mit Protagonistinnen und Protagonisten der Spielzeit 2007.

Zum Jubiläum des Einsiedler Welttheaters lässt Walter Kälin 100 Jahre Welttheater in 100 Geschichten Revue passieren. Das Buch in der Reihe der Schwyzer Hefte, herausgegeben von der Kulturkommission des Kantons Schwyz, bietet einen Querschnitt durch die 16 vergangenen Spielzeiten und streift auch die Spielperiode 2024.
Kälin hat einen familiären Bezug zum Welttheater. Sein Grossvater Franz Kälin war Organisator der ersten Aufführung 1924, die er in nur zwei Monaten auf die Beine stellte, und erster Präsident der Gesellschaft der Geistlichen Spiele. Das informative und unterhaltende Schwyzer Heft Nr. 115 gibt es im Spielbüro des Welttheaters und in der Buchhandlung Benziger.

Anfang 2024 erschien von Hedy Greco Kaufmann und Tobias Hoffmann Theaterpionier aus Leidenschaft. Oskar Eberle (1902-1956) über den Autor und Regisseur, der «Das grosse Welttheater» in Einsiedeln von 1935 bis 1955 viermal inszeniert hat.
Das Buch schildert auf 572 Seiten das Leben und Wirken des Schwyzers mit Einsiedler Abstammung in einer Detailliertheit, die keinen Winkel seines Schaffens und keine Seite seines Charakters unausgeleuchtet lässt. Die Studie kann im Buchhandel bezogen werden.
Als der Benziger Verlag im Jahr 1974 die Geschichten von den Wombels von Käthe Recheis (1928-2015) zum ersten Mal aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen liess, ahnte er wohl noch nicht, dass die Umweltbotschaft dieser Kinderfiguren auch heute noch aktuell sein würde. Vor allem im Hinblick auf das Littering und die damit verbundenen Probleme für die Umwelt. Denn Wombels sind lustige, spitznasige, teddybärenähnliche Wesen, die in Höhlen leben und täglich den Abfall einsammeln, den die Menschen hinterlassen. Aus allem, was sie finden, machen sie etwas Neues. Ihr Ziel ist es, die Natur zu schützen.
Die Autorin Elisabeth Beresford (1926-2010) erfand die Wombels, als sie bei einem Weihnachtsspaziergang im Londoner Wimbledon Common Park auf viel Müll stiess. Zu Hause bastelte sie mit ihren Kindern aus den Weihnachtsverpackungen die Figuren und schrieb die Geschichten dazu. Der Name «Womble» soll aus einem Versprecher eines ihrer Kinder entstanden sein, das «Wimbledon» fälschlicherweise als «Wombledon» aussprach. Das erste Buch über die Wombels erschien im Jahr 1968. Der Erfolg war so gross, dass die Wombels mehrere Male verfilmt wurden und heute sogar über eine eigene Website verfügen, mit der sie die verschiedenen Umweltkampagnen in Grossbritannien unterstützen.
In diesem Frühjahr hat sich Herr Marc Buchtmann bei uns gemeldet, um zu erfahren, ob wir in unserem Archiv Unterlagen über die Entstehung der Bücher haben, denn er hat aus seiner kindlichen Liebe zu den Wombels heraus zusammen mit einer Freundin Hörbücher zu diesen Geschichten produziert. Wie er dazu gekommen ist, hat er uns in einem persönlichen Bericht erzählt:
«Ehrlich gesagt – eigentlich kann ich mich gar nicht wirklich erinnern, wieso oder wodurch ich auf die Wombels aufmerksam wurde. Ich stand als Schüler einfach in der Schulbücherei vor einem der unzähligen Regale und zog das Buch heraus. Das Buch mit Grossonkel Bulgarien, Tobermory, Tomsk, Madame Cholet, Orinoco und natürlich Bungo. Von denen ich bis dato noch nie etwas gehört hatte. Ich ahnte ganz und gar nicht, eine lange Geschichte mit nach Hause zu nehmen.
Die Wombels sind da fesselte mich von der ersten bis zur letzten Seite. Die Autorin Elisabeth Beresford versteht es, Kinder mit ihren Geschichten in eine Art reale Traumwelt zu entführen. Dabei vermittelt sie wichtige Themen wie Umweltbewusstsein, Gemeinschaft und Ehrlichkeit auf so nette und lustige Weise, dass sich Jugendliche und Erwachsene sicher ebenfalls angesprochen fühlen. Auch wenn sie es nicht zugeben – wollen.
Mehrfach entlieh ich mir das Buch. Bis die Bücherei es eines Tages auf dem «Ramschtisch» für 50 Pfennig Kaufpreis aussortierte. Entschlossen kaufte ich meine alte Kinderliebe und wollte mich zudem – inzwischen als junger Erwachsener – mehr mit der Geschichte der Wombels beschäftigen. Damals – es gab ja noch kein Internet – fand ich nur heraus, dass es ein zweites Buch mit dem Titel Geschichten von den Wombels gab. Und dieses Buch enttäuschte mich sehr. Viele der bekannten Charaktere aus dem ersten Buch hatten plötzlich andere Namen. So heisst Tobermory zum Beispiel Trinidad und Madame Cholet nun Madame Paris. Das geht gar nicht! Und machte das Buch und eventuelle weitere für mich uninteressant. So kramte ich von Zeit zu Zeit das erste Buch aus dem Schrank, um in Erinnerungen zu schwelgen.
Der nächste Teil der Geschichte entstand genauso zufällig wie der Anfang. Im Zeitalter von Hörbüchern spukte mir die Idee im Kopf herum, auch aus dem Buch der Wombels ein solches zu machen. Irgendwann sprach ich mit einer Freundin darüber. «Machen wir! Ich lese, und du, Tobermory» grinste sie, «machst die Technik.» Wir trafen uns nachmittags, um das Buch einzulesen und das Hörbuch zu erstellen. Das Ergebnis begeisterte uns so sehr, dass wir gleich mit dem zweiten Buch weiter machten. «Und die falschen Namen», sagte meine Freundin, «die tauschen wir einfach gegen die richtigen aus. So, wie sie im englischen Original sind.»
Inzwischen haben wir alle vier Bücher der deutschen Übersetzung als Hörbuch gelesen und hübsch zurecht gemacht. Technisch sicherlich überholt, aber von der Thematik mindestens noch genau so aktuell wie zum Erscheinungszeitpunkt, könnten wir uns eine Neuauflage der knuffigen Wombels sehr gut vorstellen. Vielleicht findet sich ein Verlag, der Interesse an unseren Hörbüchern hat? Bis dahin freuen wir uns über jeden, der an den Hörbüchern Gefallen findet.»
Die Hörbücher kann man als CDs bei Herrn Marc Buchtmann bestellen: m.buchtmann@t-online.de
Renate Nagel arbeitete von 1966 bis 1983 beim Einsiedler Benziger Verlag, bevor sie zusammen mit Judith Kimche den Verlag Nagel & Kimche gründete. Während den 17 Jahren im Dienst des Unternehmens Benziger war sie im Verlagsbüro in Zürich zuerst als Lektorin und später als Cheflektorin tätig. Schliesslich wurde sie Leiterin der Abteilung, welche die Belletristik sowie das Kinder- und Jugendbuch verantwortete. Mit ihrem Vorgänger in der Verlagsleitung, Peter Keckeis, der später zum Huber Verlag in Frauenfeld wechselte, prägte sie über Jahre das literarische Programm von Benziger, das in den 70er-Jahren neben dem theologischen Schwerpunkt des Verlags ein eigenständiges Profil erhielt.
Schwerpunkt Schweizer Literatur
Es wurden damals zwar auch einige fremdsprachige und Titel aus beiden Teilen Deutschlands publiziert – zum Beispiel «Mitteilung an den Adel» von Elisabeth Plessen oder «Padre Padrone» von Gavino Ledda –, im Vordergrund stand aber die Herausgabe von Schweizer Literatur. Zu nennen sind etwa die Bücher von Christoph Geiser, Hansjörg Schneider, Hansjörg Schertenleib, Silvio Blatter oder Claudia Storz sowie die Werke der inzwischen verstorbenen Autoren Walter Matthias Diggelmann, Kurt Guggenheim, Walter Vogt, Walther Kauer und Arthur Honegger. Bei Benziger erschienen zum ersten Mal auch die Chansons von Mani Matter, nicht auf Platte, sondern zwischen Buchdeckeln, und posthum seine Notizbücher «Sudelhefte» und «Rumpelbuch».
Um das Kinder- und Jugendbuch kümmerte sich Renate Nagel ganz besonders. Da waren einerseits die Übersetzungen von Denys Watkins-Pitchford («Dominik Dachs»), Michael Bond («Paddington Bär») oder Tove Jansson («Die Mumins») und andererseits die Bücher von Beat Brechbühl, Federica de Cesco, Klara Obermüller, Otto Steiger und Emil Zopfi. Allein von Federica de Cesco kamen bei Benziger rund 20 Romane heraus.
Keine Hexerei
Zum «Startkapital» ihres eigenen Verlags Nagel & Kimche gehörten neben dem verlegerischen Knowhow, das sich Renate Nagel in den Jahren bei Benziger erarbeitet hatte, auch die zahlreichen Autorinnen und Autoren, die mit ihr den Benziger Verlag verliessen und bei Nagel & Kimche eine neue Heimat fanden. Eine davon war Eveline Hasler, die mit zwei ihrer bekanntesten Benziger-Bücher gleich beide von Nagel verantworteten Sparten abdeckte, nämlich die Belletristik sowie das Kinder- und Jugendbuch. Das war für die heute 90-jährige Schriftstellerin offenbar keine Hexerei. Oder doch? 1979 erschien «Die Hexe Lakritze und Rino Rhinozeros», drei Jahre später der Bestseller «Anna Göldin. Letzte Hexe».
«Gesamtauflage ihrer Werke über 120’000 Exemplare.» Mit dieser Affiche warb der Einsiedler Benziger Verlag unter dem Titel «Die Heimat-Romane von Maria Dutli-Rutishauser» für seine Bestseller-Autorin in einer Broschüre, auf der neben Einsiedeln auch Zürich und Köln als Filialen aufgeführt waren. Laut Schriftsteller Pirmin Meier ist diese hohe Zahl auf das damals noch einigermassen intakte katholische Milieu zurückzuführen. Wenngleich Maria Dutli-Rutishauser – wie einst Heinrich Federer – auch ein gutes Echo im Berner «Bund» zu verzeichnen hatte. Der nicht zu übersehende Erfolg dieser dezidiert katholischen Autorin oder ihres männlichen Kollegen F.H. Achermann (Walter Verlag, Olten) zwang das Feuilleton dazu, vom Satz «Catholica non leguntur» – also Katholisches liest man nicht -, vorübergehend abzuweichen. Der damalige Feuilletonredaktor Arnold H. Schwengeler doktorierte als Katholik über Federer, nachdem die erste Auflage seiner Dissertation mit der Anmerkung, dass Federer homosexuell gewesen sei, aus Zeitgeistgründen hatte eingestampft werden müssen!
Katholische Sozialisation
Geboren im Jahr 1903 als Tochter von Katharina Forster und Ferdinand Rutishauser wuchs Maria im strengen Elternhaus in Obersommeri (TG) auf. Ihre Liebe zur italienischen Sprache führte sie nach Rom und Locarno. Dort lernte sie ihren Mann, Josef Dutli, kennen. Die selbstbewusste und starke, christlich geprägte und fürsorgliche Mutter und Ehefrau vertrat die Ansicht, dass die Aufgabe der Frau in der umsichtigen Führung des Haushaltes und in der Erziehung der Kinder bestehe. Sie vertraute darauf, dass nicht der Kampf um das Recht der Frau wichtig sei, sondern die Ausübung der fraulichen Fähigkeiten und deren Stärken. So konnte sie nie und von niemandem als «Kämpferin» für das Frauenstimmrecht gewonnen werden, denn auch da vertrat sie die Meinung, dass die Themen von Abstimmungen zu Hause ausdiskutiert werden und dass die Familie mit einer Stimme vom Mann zu vertreten sei. Wenn nicht sei die Stimmabgabe sinnlos, da sie sich mit einmal Ja und einmal Nein ohnehin wieder aufheben, so ihre Schlussfolgerung.
Keine Emanze
«Sie hat sich für die Bildung der Frauen eingesetzt. Aber sie war nie eine Emanze, sie war fürsorglich. Ihre Familie und das Heim waren ihr immer sehr wichtig», so eine Zeitzeugin. Maria Dutli-Rutishauser lebte im typisch weiblichen Spannungsfeld von Familie und Karriere. Während sie als Schriftstellerin, Rednerin und Kolumnistin höchst aktiv war, gebar und erzog sie sechs Kinder. Möglich war das durch die Hilfe von Dienstmädchen und Ehemann Josef Dutli, der eigentlich ihr Manager war. Während des Zweiten Weltkriegs hielt sie im Auftrag von «Heer und Haus», einer der Armee unterstellten Organisation, und der schweizerischen Frauenverbände Vorträge zur geistigen Landesverteidigung. Zudem war sie mit solchen Themen im Radio zu hören. Sie war weiter «Presseführerin» – sprich: Zensorin – des «Boten vom Untersee». Da habe es aber nicht viel zu zensieren gegeben, sagte sie 1989 im Lokalfernsehen Diessenhofen – der «Bote» sei «eine harmlose Zeitung» gewesen.
Kolumnistin von «Meyers Modeblatt»
Maria Dutli-Rutishauser war auch Kolumnistin von «Meyers Modeblatt». Sie schrieb während fünf Jahrzehnten, bis 1992, in der Zeitschrift und war so eine einflussreiche Journalistin und in zahlreichen Schweizer Haushalten präsent. Ihre Themen hat sie aus dem Leben gegriffen, ihre Erfahrung und ihren Mutterwitz an eine breite Leserschaft weitergegeben – durchaus nicht moralinsauer, sondern mit einem gewissen Schalk. Kopf und Herz hielten sich bei ihr wunderbar die Waage.
Sie war intelligent und durchaus auch selbstbewusst gewesen. Als der Journalist Niklaus Meienberg im Jahr 1985 unter ihrem Namen – er dachte, sie lebe nicht mehr – eine Polemik gegen Fürst Franz Josef zu Liechtenstein, Vater von Fürst Hans-Adam, publizierte, war Maria Dutli-Rutishauser stocksauer, aber sie verzichtete auf einen Rechtsstreit. Und stets sei sie kerzengerade gesessen. Von Hand schrieb sie, nachts vorwiegend, und ihr Gatte tippte ihre Texte auf einer uralten Schreibmaschine ins Reine.
«Hüter des Vaterlandes»
Ihr wichtigster Roman «Hüter des Vaterlandes» (Benziger Verlag) erschien 1991 in der 14. Auflage. 41. bis 45. Tausend! Selbst die französische Übersetzung brachte es in der 4. Auflage auf über 20 000 Exemplare. Dieses Werk liegt auch in Blindenschrift vor. Die Bücher von Maria Dutli-Rutishauser wurden nicht nur ins Italienische, Französische, Englische, Holländische oder Flämische übersetzt, sondern oft als Fortsetzungsromane in Zeitungen abgedruckt. Ihr allererster Roman «Der schwarze Tod» (1930) war beim damals tonangebenden Verlag Huber in Frauenfeld erschienen. Der unbearbeitete Nachlass wird im Thurgauer Staatsarchiv aufbewahrt. Darunter befindet sich eine Unmenge von Fanpost. Die Gesamtauflage der verkauften Werke dürfte sich inzwischen auf über eine Viertelmillion Exemplare belaufen.
«Ein glücklicher Mensch»
Die meisten der Bücher erschienen in Einsiedler Verlagen (Benziger und Waldstatt). «Die Dichterin Maria Dutli-Rutishauser nimmt als Darstellerin heimatlicher Gestalten und Schicksale eine besondere Stellung in der Volksliteratur ein. Ihr echt menschliches Empfinden, ihre gemütvolle Auffassung des Lebens, die Farbigkeit und Spannung, die vor allem ihre Romane aus der schweizerischen Bergwelt auszeichnen, haben ihren Büchern einen grossen und treuen Leserkreis geschaffen.» So liest man auf der Benziger-Verlagswerbung in einem Faltblatt, das für sieben Bücher der Autorin wirbt.
Im Benziger Verlag erschien 1951 der Erzählband «Ein glücklicher Mensch». Die am Schluss des Buches abgedruckte titelgebende Geschichte führt ins Waisenhaus nach Einsiedeln. Eine literarische Aufarbeitung der gewiss nicht einfachen Situation in einer derartigen Einrichtung zur damaligen Zeit wird hier von Maria Dutli-Rutishauser in überzeugender Manier geleistet. Wer wollte nach der Lektüre je das von Waisenhausbewohner Stanislaus an der Kilbi erworbene rote Windspiel mit seinen sich drehenden Rädchen vergessen?
Mutter sein
«Mutter sein», heisst höchste Freud’ empfinden
Heisst, hier auf Erden schon das Glück des Himmels finden,
Heisst, in blauer Kinderaugen hellem Schein
Froh und wunschlos glücklich sein.
«Mutter sein» umfasst die tiefsten Leiden,
Schliesst in sich Entsagen, strenges Meiden,
«Mutter sein» heisst mit dem eignen Leben
Seinen Kindern schöne Tage geben.
Maria Dutli-Rutishauser
Bruder Gerold Zenoni OSB, 1958 in Altdorf (UR) geboren, trat nach einer Lehre als Typograf 1980 ins Benedektinerkloster
Einsiedeln ein. Er arbeitet in verschiedenen Bereichen des Klosters und er ist als Sakristan der Gnadenkapelle zuständig für den Kleiderwechsel
am Gnadenbild der Einsiedler Madonna. Zenoni schreibt zudem für die Klosterzeitschrift «Salve» und hat auch Bücher verfasst. 2009 erhielt er den Förderpreis der SRG idée suisse Zentralschweiz.
Dieser Blog-Text ist eine gekürzte Version eines Artikels aus «Salve – Zeitschrift der benediktinischen Gemeinschaften Einsiedeln und Fahr», Nr. 2 – 2023.






















